30.000 Fans feiern den Weltmeister in „Vettelheim“

Er ließ die Reifen kurz qualmen und den 750 PS-Motor aufheulen - dann kam er selbst aus dem Staunen nicht mehr raus. Sebastian Vettel ist am Samstag von rund 30 000 begeisterten Fans frenetisch in seiner Heimatstadt Heppenheim empfangen worden. „Das ist unglaublich“, sagte der jüngste Doppelweltmeister der Formel 1. Er könne nicht kapieren, „dass ihr alle wegen mir hier seid“, meinte der bestens aufgelegte Vettel, der zur Feier des Tages auch noch ein Trikot seines Herzensvereins Eintracht Frankfurt mit der Nummer 1 geschenkt bekam.
Um 16.47 Uhr am Samstag wurde es laut auf dem Europaplatz in Heppenheim. „In nördlicher Richtung tut sich was“, sagte Moderator Felix Görner. Die Köpfe der 30 000 Zuschauer drehten sich in Richtung des Kreisverkehrs, tausende Digitalkameras und Handys wurden in die Luft gestreckt. Und dann kam er endlich: Formel-1- Doppelweltmeister Sebastian Vettel bog in seinem Rennboliden „Kinky Kylie“ um die Ecke.
 
Der Jubel kannte keine Grenzen. Zwar konnte sich auch das Vorprogramm des großen Weltmeister-Empfangs in Vettels Heimatstadt sehen lassen – die Söhne Mannheims um Frontmann Xavier Naidoo ließen es ordentlich krachen, das Moderatoren-Duo Görner und Joko Winterscheidt sorgte für Kurzweil –, die Rennsportfans wollten aber nur einen sehen: Ihren „Seb“. Der ließ sich nicht lumpen. Einen „Donut“ drehte er bereits auf der Lorscher Straße, einen zweiten ließ er unmittelbar vor der großen Bühne folgen. Zu sehen war in diesem Moment so gut wie nichts mehr. Die Reifen des Red-Bull-Renaults qualmten, der Staub des Schotterplatzes tat sein Übriges. Opfer der Staubattacke wurde vor allem Görner, der sich prompt über den Bodenbelag und Vettels Fahrweise mokierte. Doch Vettels Konter saß. In bestem Hepprumerisch sagte er: „Horsch emol zu: Des is koan Schotterplatz, des is unsern Europaplatz.“ Die Fans johlten. Das tat dem Vierundzwanzigjährigen gut.
Vettel war angesichts der Begeisterung in seiner Heimatstadt sichtlich gerührt und nervös: „Ich bin überwältigt und auch sehr aufgeregt.“ Dies legte sich allerdings von Minute zu Minute. Viele Scherze und der ständige Kontakt mit den Fans gaben ihm Sicherheit. Unter anderem forderte er die Heppenheimer auf, zur Fußball-Europameisterschaft 2012 ein Public Viewing auf dem Europaplatz auf die Beine zu stellen. Wie es sich für einen echten Hepprumer gehört, durfte dabei der Verweis auf die scherzhafte Rivalität mit der Nachbarstadt Bensheim nicht fehlen: „Woas die Bensemer kenne, kenne mer doch aa!“
So dauerte es nicht lange, bis Vettel mit einer Hand in der Tasche seines Rennoveralls souverän die Fragen der Moderatoren beantwortete und die Formel-1-Saison Revue passieren ließ. Als besondere Momente der bisherigen Saison bezeichnete Vettel die Siege in Monaco und Monza (Italien). Gebannt und mit sichtbarem Stolz verfolgte er auf der großen LED-Leinwand die Bilder der „Asien-Tour“, wo er sich mit einem dritten Platz im japanischen Suzuka den Titel sicherte.
Sebastian Vettels Schlusswort nach dem Empfang auf dem Europaplatz: „Ich bin so glücklich und weiß gar nicht, ob ich die letzten Rennen überhaupt noch fahren kann. Ich verspreche euch, mein Bestes zu geben, dass das heute nicht der letzte Empfang in Heppenheim war. Euch allen vielen Dank. Ihr habt den Tag zu etwas ganz Besonderem gemacht.“

Text: Echo online