Boris Suchanek Stiftung

Boris Miroslav Suchanek wurde am 2. Juni 1940 in Prag geboren. Er war Klinikfacharbeiter und Heilpraktiker. Gestorben ist er am 19.11.1992 in Heppenheim.
Ende 1991 ist Boris M. Suchanek im Rathaus seiner neuen Heimatstadt Heppenheim vorstellig geworden, um dem damaligen Bürgermeister Ulrich Obermayr seinen Stiftungsgedanken zu erläutern. Zu diesem Zeitpunkt war Suchanek bereits unheilbar krank. Während der langen Jahre seiner Krankheit hatte er angefangen, die Menschen mit anderen Augen zu sehen. Es war ihm ein Bedürfnis, Heppenheimer Persönlichkeiten auszuzeichnen, die aus freien Stücken – auch in ihrem Beruf – aufgrund ihrer Lebenseinstellung notleidenden Menschen Freude und Zuversicht vermitteln.
 

Schlüsselerlebnis führt zur Stiftungsgründung

Vor seinem Tode wurde er Zeuge eines Autounfalls und beobachtete, dass Menschen teilnahmslos zusahen, wie Hilfeleistende einen Verletzten aus einem brennenden Fahrzeug retteten. Dieses Schlüsselerlebnis veranlasste ihn, eine Stiftung zu gründen. In seinem letzten Willen legte Suchanek fest, dass ein Preis an Menschen vergeben werden soll, die durch ihr bescheidenes aber zugleich fröhliches Wirken Kranken und Notleidenden eine Freude bereiten oder die sich bei Gefahr für Leib und Leben für Mitmenschen einsetzen.
 

Die erste Preisträgerin

Seit 1992 ist die Stadt offizielle Erbin des Vermächtnisses von Boris M. Suchanek. Erstmals durfte der Preis drei Jahre nach seinem Tod verliehen werden. In seiner ersten Sitzung am 15. Oktober 1996 entschied sich ein Beirat unter dem Vorsitz des Bürgermeisters für die erste Preisträgerin. Es war Katharina Katzenmaier, Ordensname Schwester Theolinde bei den Benediktinerinnen von der Heiligen Lioba in Freiburg. Im Zweiten Weltkrieg überlebte Schwester Theolinde das KZ Ravensbrück, wo sie es gewagt hatte, sich gegen das Unrechtssystem aufzulehnen. Sie erlitt schwerste Peinigungen und Folterungen, dennoch hatte sie den Lebensmut nicht verloren. Die Preisträgerin engagierte sich - ganz im Sinne des Vermächtnisses von Boris M. Suchanek - ab den 1960er Jahren in der Lagergemeinschaft Ravensbrück und gehörte ab 1974 dem Vorstand dieser Häftlingsvereinigung an. Ihre Erlebnisse im Konzentrationslager schilderte sie in Vorträgen vor Schulklassen. 1996 veröffentlichte sie das autobiografische Werk „Vom KZ ins Kloster“.
Seit 1996 wird der Boris Suchanek Preis jährlich an Personen vergeben, die sich durch ihre herausragenden humanitären Taten und Tätigkeiten auszeichnen. Im Jahr 2012 wurde die Boris Suchanek Stiftung in der heute vorliegenden Form errichtet.
 

Organe der Stiftung sind

  • der Stiftungsvorstand (Magistrat der Kreisstadt Heppenheim) und
  • der Stiftungsrat (die Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsförderungsausschusses der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Heppenheim)
 

Auszug aus der Satzung

  • Zweck der Stiftung ist die Förderung und Unterstützung herausragender Hilfsaktionen zur Rettung von Menschen aus Lebensgefahr, die Pfleger alter oder kranker Menschen in Heppenheim und der nahen Umgebung, ins und der nahen Umgebung, insbesondere im Rahmen der städtischen Sozial- und Altenhilfe sowie die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke, insbesondere der Hilfe und Unterstützung bei der Ausbildung junger Menschen, der Förderung von Kunst und Kultur, der Unterhaltung von kirchlichen Einrichtungen und karitativer Organisationen.
  • Die Stiftung verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinn des Abschnitts „steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung.
  • Die Stiftung ist selbstlos tätig. Sie verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
  • Mittel der Stiftung dürfen nur für die satzungsmäßigen Zwecke verwendet werden. Niemand wird durch Ausgaben, die den Zwecken der Stiftung fremd sind oder durch unverhältnismäßig hohe Vergütung begünstigt.
  • Es besteht kein Rechtsanspruch auf Gewährung von Stiftungsleistungen.

Viele Menschen, die sich für andere engagieren, halten ihre Arbeit für selbstverständlich. Oft wirken sie im Hintergrund und ihre Tätigkeit wird kaum einmal öffentlich bekannt. Daher ist es für die Verantwortlichen nicht einfach, Personen zu finden, die für eine Preisverleihung in Frage kommen könnten. Die Stadt Heppenheim als Stiftungsträger bittet deshalb regelmäßig um Vorschläge aus der Bevölkerung, um so auf Menschen aufmerksam zu werden, die sich in besonderem Maß für andere einsetzen.

Bürger, denen solche Menschen bekannt sind, können sich jederzeit an die Stadtverwaltung wenden.
Ansprechpartnerin ist Fachbereichsleiterin Irene Hilkert (Tel. 06252 13-1110; E-Mail: info(at)stadt.heppenheim.de)
 

Boris-Suchanek-Preisträger von 1996 bis 2016

Preisträger 1996 - 1999

Preisträger 1996 - 1999

1996
  • Schwester Theodolinde

1997
  • Gertraude Schindler (ehrenamtlich tätig in der Alten- und Krankenpflege)
  • Carola Peiffer (Hospizverein Bergstraße, ehrenamtliche Tätigkeit, passive Sterbehilfe)
  • Suppenküche

1998
  • Hans Eberhard, Hilfsprojekt Straßenkinder in Brasilien
  • Helga und Josef Rhein, Erste Hilfe bei Hubschrauberabsturz
  • Inge Michel, Erholungsaufenthalte Kinder aus Tschernobyl

1999
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DRK-Senioren-Tagesstätte

Preisträger 2000 - 2009

Preisträger 2000 - 2009


2000

  • Die Grünen Damen (Hilfeleistungen für Patienten des Kreiskrankenhauses)

2001
  • Bürgerverein für gegenseitige Hilfe
  • Arbeitskreis Notfallseelsorge Kreis Bergstraße

2002
  • Deutsches Rotes Kreuz + THW, "Flutkatastrophe" in den neuen Bundesländern"
  • Freiwillige Feuerwehren Heppenheim, Wohnhausbränden

2003
  • Helferinnen der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes
  • Helferinnen des Kleiderlagers, Caritasausschuss St. Peter

2004
  • Jugendorganisationen
    der Feuerwehren
    des Deutschen Jugendrotkreuzes
    des Malteser Hilfsdienstes
    des Technischen Hilfswerkes
  • Überschuss des Preises wurde für ein Kartenkontingent der Festspiele Heppenheim verwendet, das ehrenamtl. tätigen Mitbürgern zur Verfügung gestellt wurde

2005
  • Lebenshilfe - Ortsvereinigung Heppenheim

2006
  • Arbeitsgruppe "Älter werden in Heppenheim"
  • Besuchsdienst Haus Johannes

2007
  • Dienstagsgruppe der Evangelischen Christusgemeinde
  • Café Freitag der Evangelischen Klinikseelsorge des Zentrums für Soziale Psychiatrie Bergstraße
  • Fahrdienst des Deutschen Roten Kreuzes Hambach

2008
  • Besuchsgruppe "Psychisch Erkrankte und Schule begegnen sich"
  • Kranken- und Altenbesuche in Hambach, Pfarrei "St. Peter"
  • Besuchsdienst im Haus Johannes
  • Hospiz-Verein
  • Rheuma-Liga Heppenheim

2009
  • Ehrenamtliche Helferinnen in der Psychiatrie, begleitet Feste und Ausflüge des Vereins „Hilfe für psychisch Kranke e.V.“
  • Menschenrettung aus dem Wiesensee in Hemsbach
  • Ehrenamtlicher Einsatz für alte Menschen und behinderte Jugendliche im Stadtteil Erbach
  • Ehrenamtliche Tätigkeit in der Arbeitsgruppe "Asyl Heppenheim" und der Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Kreis Bergstraße

Preisträger 2010 - 2016

Preisträger 2010 - 2016


2010
  • Walter Fischer, Betreuung eines geistig Behinderten
  • Heinz Wecht, Seniorenbetreuung St. Michael Hambach
  • Monika Koschwitz, Suchtselbsthilfe
  • Hans Peter Koschwitz, Suchtselbsthilfe

2011
  • Der Preisträger erlitt beim Versuch, seinen Vorgesetzen zu retten, schwerste Verletzungen. Da er trotz umfangreicher Suche nicht aufzufinden war, wurde der Preis für das Jahr 2011 nicht vergeben.

2012
  • Dominik Beichtmann
  • Sebastian Jäger
  • Lebensretter; ein Mann war auf dem Heimweg vor dem Bahnhof ohnmächtig geworden.

2013
  • Esther Zechner und Kurt Zechner, 40-Jährigen aus dem Stadtbach gerettet
  • Anna- Elisabeth Hansen, häusliche Pflege alter und kranker Menschen

2014
  • Dustin Schaab, Franz Arnold, Magdalena Arnold, Daniel Thompson, Alexander Reid; Erste Hilfe bei einem schwerverletzten Mann
  • Psychosozialer Hilfsverein e.V.; Der Psychosoziale Hilfsverein Heppenheim e.V. (PsH) fördert seit 1874 die Integration psychisch kranker Menschen in unsere Gesellschaft und hilft durch aktive Öffentlichkeitsarbeit beim Abbau von Vorurteilen.

2015
  • Carina Mitsch, Felix Bauer und Martin Mitsch. Die jungen Leute kümmern sich seit nunmehr sechs Jahren aufopferungsvoll um ihren querschnittsgelähmten Freund.

2016
  • Erna Schreiber, seit 1994 Mitglied des ehrenamtlichen Besuchsdienstkreises im Haus Johannes
  • Marhilt Sämmler, alleinerziehende Mutter von vier Kindern, eines davon mit Down-Syndrom. Auch während einer schweren Krankheit kümmerte sie sich um ihre Kinder.
  • Fahrdienst des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsvereinigung Hambach. Die Damen und Herren des DRK OV Hambach fahren seit rund zwanzig Jahren jeden Donnerstag ehrenamtlich Senioren zum Einkaufen nach Heppenheim, pflegen Kontakte und ermöglichen so den Senior_innen eine größtmögliche Selbständigkeit. Fahrerinnen und Fahrer sind zurzeit Herbert Felder, Heinz Fetsch, Willi Guthier, Jürgen Kretschmann, Renate Netzer, Erika und Willi Ohlhauser sowie Volker Rettig.